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Wie werde ich gesund

Ich möchte diesmal auf einen Post auf meiner neuen Website hinweisen: https://bit.ly/3195Qou

Ich könnte den Post auch hierher kopieren, aber dann machen die Leute den Link zwischen diesem Blog und der Website. Die Website ist noch nicht fertig, also nicht zu genau hinschauen und einfach den Post lesen, wenn ihr mögt.

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Mein Leben

Seit ich die Medikamente reduziert habe, hat sich so vieles in meinem Leben zum Positiven verändert. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber ich musste das jetzt einfach nochmals sagen.

In der Therapie komme ich zum ersten Mal an meine Gefühle heran und spüre wirklich woran ich arbeiten möchte. Ich merke auch genau, wo meine Baustellen sind und was ich noch heilen muss. Und da gibt es viel zu heilen. Ich habe immer gemeint, ich hätte nur DAS EINE Trauma, aber da sind noch ganz viele andere Traumata, die vielleicht nicht offensichtlich so dramatisch sind, die aber auch eine tiefen Einfluss auf mein Leben hatten und dazu beigetragen haben, dass ich psychisch erkrankt bin.

Ich war habe ja schon vor dem EINEN Trauma angefangen Stimmen zu hören und ich habe jetzt erst verstanden (ich weiss, dass ist viel zu spät, ich muss blind gewesen sein!), dass jede psychische Erkrankung aus einem Trauma entsteht. Ich habe immer gedacht, dass es psychische Erkrankungen gibt, die sich aus einem chemischen Ungleichgewicht im Gehirn entwickeln. Das ist sowas von bullshit. Jede psychische Erkrankung hat eine Ursache und wenn sie nicht offensichtlich ist, dann liegt sie tiefer verborgen. Es muss nicht gleich ein sexueller Missbrauch sein, aber auch die Scheidung der Eltern, ein Konflikt oder eine andere belastende Situation kann eine solche Erkrankung auslösen. Und dieses Trauma kann man heilen, man muss nicht für den Rest des Lebens als verletzte Seele herumlaufen. Natürlich braucht es Zeit und manchmal wirklich viel Zeit, aber es kann besser werden, für jeden.

Das Trauma, das ich zuerst heilen möchte, bevor ich mit der eigentlichen Traumatherapie beginne, ist das Trauma meiner Kindheit. Meine Kindheit war nicht schön. Ich habe nie wirklich über meine Kindheit hier geschrieben, weil ich gedacht habe, das ist nicht relevant. Aber es ist relevant. Ich habe auch immer gedacht, meine Kindheit sei schön gewesen, aber jetzt, mit den reduzierten Medikamenten, kommen immer mehr unschöne Erinnerungen hoch. Im Einzelnen ist es nicht dramatisch, aber alles zusammen betrachtet, war es schlimm. Damals hat alles angefangen und es ist kein Zufall, dass ich eine Stimme in meinem Kopf habe, die so mit mir spricht, wie meine Mutter immer mit mir gesprochen hat.

Meine Mutter konnte mich nicht lieben. Inzwischen weiss ich, dass sie selbst nicht geliebt wurde und deshalb keine Liebe geben konnte, aber als Kind versteht man sowas nicht. Mein Bruder und ich wurden von unseren Eltern in den ersten Lebensjahren mehr oder weniger ignoriert. Wir hatten Au Pairs, die sich um uns gekümmert haben, die gekocht haben und die dafür gesorgt haben, dass wir rechtzeitig ins Bett kommen. Meine Eltern haben beide gearbeitet (ich mache ihnen überhaupt keinen Vorwurf, dass sie gearbeitet haben) und hatten einfach keine Zeit und, wenn sie daheim waren, keine Lust(?), sich mit uns abzugeben. Und wenn wir dann mal Aufmerksamkeit gekriegt haben, dann immer nur negative. Vor allem von meiner Mutter. Wir wurden ausgeschimpft und gemassregelt (auch physisch), wenn wir etwas getan hatten, das ihr nicht passte.

Je älter wir wurden, desto schlimmer wurde es. Meine Mutter war immer nur negativ, positive Bestätigung erhielten wir nur, wenn wir in der Schule gute Noten nach Hause brachten. Und gute Noten hiess Bestnoten, alles andere wurde mit Sanktionen belegt. Das heisst, wir durften nicht mit Freunden spielen oder in den Sportverein, wenn wir eine schlechte Note schrieben. Wir mussten dann in unser Zimmer und lernen. Abendessen gab es dann auch nicht.

Ich wurde auch mal von meiner Mutter aus dem Haus geworfen, nur weil ich die Haare kurz geschnitten und blond gefärbt hatte. Ich war damals sechzehn. Sie hat mir den Hausschlüssel weggenommen und gesagt, ich sei nicht mehr ihre Tochter.

Dazu kommen noch die Depressionen meiner Mutter. Ich weiss, sie kann nichts dafür, dass es ihr schlecht ging und ich nehme es ihr auch überhaupt nicht übel, dass sie manchmal am Wochenende das Bett nicht verlassen hat oder schon um sechs Uhr abends ins Bett ging und nachmittags schlief. Was mich gestört hat, war, dass sie uns damit erpresst hat. Wenn immer etwas nicht so lief wie sie wollte, drohte sie damit, sich umzubringen und gab uns die Schuld dafür. Das macht man mit Kindern einfach nicht.

Ich könnte jetzt noch ewig so weiterschreiben und, was ich geschrieben habe, war nicht einmal das Schlimmste. Aber es geht nur darum zu sagen, dass ich endlich mit meiner Kindheit abschliessen muss. Ich will jetzt, nach all den Jahren, versuchen, meiner Mutter zu vergeben. Mit vergeben meine ich nicht, das ganze gutzuheissen, denn es war nicht ok. Aber ich will damit abschliessen und loslassen. Ich will nicht mehr das Gefühl haben, dass ich nicht gut genug bin, nicht liebenswert, dass ich falsch bin. Ich will frei sein und endlich lernen, ich selbst zu sein, mich erfüllt und leicht fühlen, ein gesundes Selbstvertrauen haben und meinen Schmerz nicht an andere Menschen weitergeben.

Hurt people hurt people. Verletzte Menschen verletzen Menschen. Seit ich die Medikamente absetze, merke ich, wie ich mehr und mehr zu meiner Mutter „werde“. Und ich hasse mich dafür. Ich nerve mich über Dinge bei meiner Mitbewohnerin, die mich überhaupt nicht nerven sollten. Ich merke sogar, wie ich den Drang habe, meine Mitbewohnerin zu verändern. Dabei ist sie voll ok, so wie sie ist. Bis jetzt gelingt es mir noch, diese Impulse zu unterdrücken, aber ich muss dringend etwas ändern. Und ich glaube, das fängt damit an, dass ich versuche, meine Kindheit zu heilen.

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Taiji und Schwimmen!

Die gute Nachricht ist: Ich war schwimmen. Die schlecht ist: Es war schrecklich.

Ich war morgens da, als das Schwimmbad öffnete und ich glaubte fest, es würde mir gut tun. Nur leider habe ich durch den Entzug im Moment morgens extreme Angstzustände, die schon zu Hause kaum auszuhalten sind. Ich erwache schon in Angst und meistens geht es bis etwa 10 Uhr, bis sie wieder verschwindet. Mit dieser Angst im Bauch bin ich also ins Schwimmbad gefahren. Ich hab’s dann auch ins Becken geschafft und meine Schwimmbrille übergezogen, um zur Bahn zu schwimmen. Doch leider ist mir beim Abtauchen (ich musste unter einer Schwimmleine durch zur Bahn), Wasser in die Schwimmbrille gekommen (ich habe ein Augenbrauenpiercing und da muss ich die Schwimmbrille sehr vorsichtig aufsetzen) und meine Kontaktlinse ist mir weggerutscht.

Erstmal Panik. Dann tief durchatmen. Aus dem Wasser raus, auf Toilette, die verschobene Linse vorsichtig aus dem Auge holen, wieder reintun und zurück ins Wasser. Leider ist meine Angst dadurch noch grösser geworden, aber ich sagte mir, ok, du schaffst das, wenn du erstmal schwimmst, wird es besser. Ich habe die Schwimmbrille wieder aufgesetzt und bin zur Bahn geschwommen, diesmal ohne Kontaktlinsenunglück. Dann fing ich an zu schwimmen. Ich muss dazu noch erwähnen, dass ich seit etwa einem halben Jahr keinen Sport mehr gemacht habe und durch den körperlichen Entzug sehr geschwächt bin. Mit Angst und körperlichem Handicap schwamm ich also meine erste Bahn. Ich war wohl für meine Verhältnisse etwas schnell unterwegs, jedenfalls geriet ich ausser Atem. Ich versuchte also etwas tiefer Luft zu holen und unter Wasser tiefer auszuatmen (ich versuchte brustschwimmen, aber so mit Kopf unter Wasser und so, crawlen kann ich eigentlich auch, aber für den Anfang war mir das zu heftig). Jedenfalls hatte ich plötzlich das Gefühl, nicht genug Luft zu kriegen und zu ertrinken. Da stieg die Angst ins Unermessliche.

Nach einer Bahn wollte ich schon aufhören, aber ich sagte mir, nein, du kannst doch jetzt nicht schon aufgeben, jetzt hast du den ganzen Weg auf dich genommen, um hierher zu kommen. Also machte ich eine kurze Pause und schwamm noch eine Bahn. Und wieder kriegte ich keine Luft. Ich versuchte, das Tempo zu drosseln, aber noch langsamer ging nicht. Zum Glück war niemand anders im Becken, die hätten mich bei dem Tempo um Meilen überholt und ausgelacht. Trotz steigender Angst wollte ich nicht aufgeben und ich schwamm noch ein paar weitere Bahnen (mit Pausen), aber es wurde nicht besser, sondern immer schlimmer.

Nach einer Viertelstunde (acht Bahnen, nicht viel ich weiss, aber bei dieser Angst acht Bahnen durchzuhalten, halte ich für eine Leistung) gab ich schliesslich auf. Als ich aus dem Becken kam, zitterte ich am ganzen Körper. Eine Frau, die am Beckenrand sass, schaute mich seltsam an, oder jedenfalls schien es mir so. Unter der heissen Dusche versuchte ich, mich zu beruhigen und sagte mir immer wieder, dass ich in Sicherheit bin. Das half aber auch nicht viel. Irgendwie schaffte ich es noch, mit dem Auto nach Hause zu fahren, bevor ich weinend zusammenbrach. Das einzig Gute am Schwimmausflug war, dass ich danach so müde war, dass ich nochmals zwei Stunden schlafen konnte. Das ist bei meinem entzugs-bedingten chronischen Schlafmangel ein Segen.

Die Taiji-Probelektion war dafür gut. Es ist eine kleine Gruppe mit vier Teilnehmern, die mich alle sehr herzlich aufgenommen haben. Am Anfang haben wir eine eine Dreiviertelstunde Qigong gemacht, das war sehr schön und entspannend. Im zweiten Teil ging es dann an’s Eingemachte: Taiji. Während die anderen ihre Formen übten, durfte ich mich an den ersten Schritten versuchen. Es war schrecklich kompliziert. Am Anfang der Beginn der 24er Form, dann der Grundschritt. Zuerst ohne Arme, dann mit. Ich war total überfordert und die Kursleiterin (keine Ahnung, ob man sie Shifu nennt oder ob der Titel geschützt ist für spezielle Meister) musste mir die Schritte immer wieder vorzeigen. Am Schluss der Lektion kriegte ich aber den Einstieg und den Grundschritt mit Armbewegung einigermassen hin und ich war ganz stolz auf mich. Es hat mir so gut gefallen, dass ich gestern gleich nochmals hin bin und mich für die Gruppe eingeschrieben habe. Ich werde also ab jetzt zweimal die Woche ins Taiji gehen.

So viel zu meinen Sportaktivitäten diese Woche. Mit dem Gesund essen klappt es weiterhin sehr gut. Ich habe heute gedämpftes Gemüse in den Speiseplan mit aufgenommen, mein Magen hat es bis jetzt vertragen. Ach ja, und ich bin immer noch rauchfrei und inzwischen vermisse ich das Rauchen schon fast gar nicht mehr.

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Paranoid… oder doch nicht?

Vor ein paar Tagen haben meine Mitbewohnerin und ich eine Dokumentation über China gesehen. Darin ging es darum, wie der Staat die Chinesen, beziehungsweise die Menschen (auch Ausländer) in China, überwacht. Sie haben von den omnipräsenten Kameras mit Gesichtserkennung gesprochen, den Kontrollen auf den Strassen, dem Punktesystem und davon, dass das Internet kontrolliert wird.

Nach der Doku hat meine Mitbewohnerin etwas Interessantes gesagt: „In China wäre ich garantiert auch paranoid geworden. So viel Kontrolle ist ja nicht normal.“ Ich war in China und ich wurde paranoid. Sie nannten es Psychose, steckten mich in die Klinik und zwangen mich, starke Medikamente zu nehmen.

Jetzt frage ich mich: Hatte ich vielleicht sogar gute Gründe, um paranoid zu werden?

Für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen: Ich war 2008 vor der Olympiade in China und wurde wegen den strengen Vorsichtsmassnahmen immer wieder von der Polizei kontrolliert, ausserdem war das Internet zensiert, es gab überall Kameras, die Handys wurden geortet. Das ist Fakt. Das habe ich nicht erfunden. In diesem Umfeld fing ich an zu glauben, dass ich von den Chinesen verfolgt werde und dass sie mich kontrollieren würden. Es ging so weit, dass ich mich nicht mehr aus dem Haus traute, mein Handy nicht mehr anschaltete und aus Angst meinen Computer nicht mehr mit dem Internet verbinden konnte. Ich geriet immer mehr in Panik und flüchtete schliesslich nach Thailand, wo es zu einem Suizidversuch mit anschliessendem Klinikaufenthalt kam. Seither bin ich „psychisch krank“.

Ok, ich habe zu diesem Zeitpunkt auch eine Stimme gehört, die mir sagte, dass ich verfolgt werde. Aber diese Stimme wäre vielleicht gar nie aufgetreten, wenn die Situation anders gewesen wäre.

Ich habe meinen „Verfolgungswahn“ nie in Frage gestellt, aber nach der Aussage meiner Mitbewohnerin bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das Ganze vielleicht nicht doch begründet war.

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Gesundes Leben

Wenn ich schon die Medikamente absetze, dann kann ich auch gleich etwas gesünder leben, habe ich mir gedacht. Und ich bin jetzt dabei, mein Leben Schritt für Schritt in Richtung Gesundheit zu gestalten.

So habe ich zum Beispiel diese Woche mit dem Rauchen aufgehört. Ich habe das Buch „Endlich Nichtraucher!“ gelesen und am Schluss des Buches meine letzte Zigarette ausgedrückt, meine ganzen verbleibenden Zigaretten in den Müll geworfen und die Aschenbecher entsorgt. Seither bin ich Nichtraucher. Aber so einfach, wie im Buch beschrieben, ist es nicht. Ich habe trotz allem immer noch das Verlangen nach einer Zigarette. Aber wenn ich rauchen will, dann wiederhole ich die Worte „Ich bin frei!“ wie ein Mantra, bis das Bedürfnis wieder weg ist. Normalerweise dauert das gar nicht so lange. Mir fehlt es jedoch, mich auf den Balkon zu setzen und mich zu „entspannen“. Natürlich ist eine Zigarette nicht entspannend, sondern eher eklig und suchtbefriedigend, aber ich habe es als Entspannung interpretiert.

Koffein habe ich auch weggelassen. Wegen den Schlafstörungen. Ich weiss zwar nicht, ob mein Schlaf dadurch besser ist, aber ich bin überzeugt, dass Koffein nicht förderlich ist. Ausserdem habe ich herausgefunden, dass Koffein mich nicht wach macht. Wenn ich ausgeschlafen bin und es mir gut geht, dann brauche ich kein Koffein. Dass ich keinen Kaffee mehr trinke, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt, aber Grüntee fehlt mich im Moment noch ein bisschen. Im Moment trinke ich vor allem Löwenzahn-, Brennnessel- und Kamillentee, da mir dies die TCM-Ärztin empfohlen hat.

Nüsse. Ich esse in letzter Zeit vermehrt Nüsse. Sie sind gesund, gut für die Verdauung und ich glaube, sie helfen meinem Gehirn, sich wieder etwas zu regenerieren. Ich würde auch gerne mehr Früchte und Gemüse essen, aber damit muss ich im Moment noch vorsichtig sein, weil mein Magen noch nicht ganz gesund ist. Aber in Zukunft ist auch geplant, hier noch etwas mehr zu verbessern. Ausserdem bin ich schon seit vielen Jahren Vegetarierin, ganz auf Tierprodukte verzichte ich nicht und Fisch esse ich hie und da auch mal, aber ich versuche auch hier, mich so gut wie möglich gesund zu ernähren.

Mein nächstes Projekt ist Sport. Den habe ich in den letzten Jahren etwas vernachlässigt. Ich gehe jeden Tag 40-60 Minuten mit den Hunden spazieren, aber das lässt sich noch steigern. Nächsten Dienstag habe ich ein Probetraining für’s Taiji. Und ich habe mich über die Öffnungszeiten für’s Schwimmbad informiert. Inspiriert dazu hat mich die Schreiberin von „der Feind in mir“.

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Paroxetin absetzen

Nachdem ich mich vom Absetzen des Clozapins erholt habe, habe ich gestern Morgen das Paroxetin (Deroxat) weggelassen. Ich habe auch dieses Medikament schrittweise abgesetzt und zuletzt drei Wochen nur noch 2.5 mg (1/8 der kleinsten Tablette) genommen. Eigentlich wollte ich mit dem Absetzen noch ein bisschen warten, aber ich habe es nicht mehr ausgehalten, es musste einfach weg.

Die letzte Nacht war schlimm. Mir war schlecht, ich musste erbrechen, hatte unglaubliche Kopfschmerzen und Durchfall. Auch heute Morgen hatte ich noch Schwindel und Kopfschmerzen, sowie extreme Angstzustände. Trotz allem konnte ich schlafen, es war jetzt nicht meine beste Nacht, aber seit ich letzten Dienstag bei der TCM-Ärztin war, kann ich wieder schlafen. Es ist echt ein Wunder!

Jetzt ist fast 15.00 Uhr und mir geht es besser.

Natürlich können noch weitere Absetzerscheinungen auftreten. Ich habe mich mal auf dem Internet schlau gemacht und da gibt es echt alles von Brain Zaps bis Fieber. Aber ich bleibe mal positiv. Die Halbwertszeit von Paroxetin beträgt 24 Stunden, das heisst, das Zeug sollte inzwischen so ziemlich aus meinem Körper raus sein. Es ist jetzt 55 Stunden her seit der letzten Einnahme.

Mit dem körperlichen Entzug kann ich inzwischen recht gut umgehen. Es ist sehr unangenehm, aber ich habe mich damit abgefunden. Ich lasse es einfach zu und beobachte die Schmerzen und die Übelkeit, wie wenn ich eine Aussenstehende wäre. Statt auszuharren und durchzubeissen, lasse ich „einfach“ los und lasse den Schmerz zu. Das macht es viel einfacher. Das habe ich zufällig in einem Buch gelesen und gedacht, ich probier das mal aus und tatsächlich, es funktioniert.

Die psychischen Zustände wie Albträume und Angstzustände sind schwieriger auszuhalten. Auch da versuche ich loszulassen, aber das gelingt mir noch nicht so gut. In der Nacht habe ich versucht zu meditieren, leider hat mich die Übelkeit so sehr abgelenkt, dass ich mich nicht wirklich entspannen konnte. So blieb es bei einer kurzen „Selbsthypnose“, in der ich meine Angst visualisierte und versuchte „aufzuweichen“. Ich sagte mir, dass ich jetzt einfach einschlafen darf und dass ich ohne Angst loslassen kann. Das hat funktioniert und ich bin eingeschlafen.

Leider haben sich Albträume eingeschlichen, so dass ich nachts immer wieder schweissgebadet aufwachte. Albträume sind auch eine Absetzerscheinung und natürlich bei einem Trauma sehr schmerzhaft. Aber auch hier gelang es mir immer wieder, mich zu beruhigen und wieder einzuschlafen. Noch vor einem Jahr wäre ich nach einem Albtraum aufgestanden und hätte gar nicht versucht, wieder zu schlafen. Im Gegenteil, ich hätte so grosse Angst gehabt vor dem Schlafen, dass ich danach nächtelang den Schlaf verweigert hätte. Auch hier hat sich in der letzten Zeit viel getan.

Seit ich die Medikamente absetze, kann ich wieder meditieren. Dadurch bin ich viel ausgeglichener geworden und kann mich selber viel besser regulieren. Meine Ängste, die teilweise massiv waren, sind beinahe ganz verschwunden und wenn ich trotzdem mal in einen Angstzustand reinkomme, dann kann ich mich mit tiefem Durchatmen und einer Kurzmeditation wieder beruhigen. Natürlich ist das schwieriger, wenn man vor Übelkeit fast Erbrechen muss.

Morgen gehe ich zur Hypnose. Ich war noch nie bei einer Hypnose, aber ich erhoffe mir, dass ich dadurch lernen kann, noch besser mit den körperlichen Symptomen, den Angstzuständen und den Albträumen umzugehen. Vielleicht kann mir die Therapeutin auch ein paar Selbsthypnosetechniken zeigen, die ich zusätzlich zur Meditation anwenden kann.

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Ein bisschen was zu Psychopharmaka

Seit ich dabei bin, meine Medikamente zu reduzieren und abzusetzen, beschäftige ich mich recht intensiv mit dem Thema Psychopharmaka. Ich war immer vorsichtig, was die Anti-Psychiatrie angeht, aber meine jetzige Erfahrung zeigt, dass sie in vielen Punkten doch recht hatte. Seit ich Medikamente nehme, hat sich mein Zustand immer mehr verschlechtert und chronifiziert.

Am Anfang habe ich Stimmen gehört, Stimmen, die mir Angst gemacht haben. Ich hatte so starke Angst, dass ich versucht habe, mich umzubringen. Natürlich habe ich Hilfe gebraucht. Statt Mitgefühl und Gespräche zu erhalten, landete ich in der Psychiatrie und wurde mit einem immer stärkeren Cocktail von Medikamenten behandelt. Ich glaubte, man wolle mir damit helfen. Man sagte mir, ich brauche die Tabletten, so wie ein Diabetiker sein Insulin braucht. Niemand sprach mit mir über meine Erfahrungen. Die Medikamente würde meine Probleme schon richten.

Mit der Zeit sind zu den Stimmen neue Symptome hinzugekommen: Depressionen, Angstzustände, Panikattacken, Paranoia. Ich war so gelähmt, dass ich nicht mehr aus dem Haus konnte, dass ich Angst hatte, mit öffentlichen Verkehrmitteln zu fahren und es mir unmöglich war, einen Laden zu betreten um einzukaufen. Es ging mir immer schlechter, es gab Zeiten, da lag ich nur noch im Bett und vegetierte vor mich hin. Ich war nicht mehr fähig, mit anderen Leuten ein normales Gespräch zu führen, ich konnte nicht mehr lesen, ich konnte nicht mehr klar denken. Aber die Stimmen, die blieben.

Mein Psychiater meinte, dass meine Erkrankung fortschreiten würde, dass sie sich chronifiziert. Ich war „schwer psychisch krank“. „Schizophren“. Als ich die Diagnose bekam, da war ich fast stolz drauf. Endlich hatte das Kind einen Namen. Ich war nicht kaputt, ich war krank. Wenn mir noch vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich die Medikamente absetzen soll und dass es mir dann besser gehen würde, hätte ich gesagt, niemals! Ich war überzeugt, dass ich krank bin und dass ich nur dank der Medikamente überhaupt noch leben würde. Ich habe gemeint, die Medikamente würden mir helfen und dass ohne die Tabletten alles nur noch viel schlimmer wäre. Ich war so in meinem Leben als „psychisch Kranke“ und „Patientin“ gefangen. Ich habe geglaubt, was die Psychiater mir sagten, haben doch alle Ärzte immer dasselbe gesagt.

Inzwischen weiss ich, dass die Medikamente meinen Zustand verschlimmerten, als ihn zu verbessern. Benzodiazepine wirken zwar kurzfristig gegen Angst, wenn man sie aber längerfristig nimmt, können sie die Angst verstärken und Panikattacken auslösen. Antidepressiva wirken überhaupt nicht antidepressiv. Sie dämpfen die Emotionen und bewirken ein chemischen Ungleichgewicht im Gehirn, das seinerseits Depressionen, Manien, Psychosen und Angstzustände auslösen kann. Natürlich kann es eine Erleichterung sein, wenn erstmal die Emotionen gedämpft sind, aber lohnt es sich wirklich, langfristig alle Emotionen abzustellen, wenn sich der Allgemeinzustand dadurch verschlechtert? Neuroleptika wirken ebenfalls auf die Emotionen und sie beeinträchtigen das Denken. So sehr, dass der Patient das „Interesse“ an seinem „Wahn“ verliert, weil er das Interesse an allem verliert. Bei längerer Einnahme können Neuroleptika jedoch Psychosen verstärken und chronifizieren. Das habe ich nicht erfunden, das kann man in der Literatur nachlesen.

Je weniger Medikamente ich nehme, desto besser geht es mir. Natürlich muss man zuerst die Absetzsymptome überleben. Und die sind die Hölle. Ich bin immer noch mittendrin und ich habe Momente, da bin ich extrem suizidal und emotional. Ich kann zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder richtig weinen. Wenn ich „richtig“ sage, dann meine ich wirklich eine ganze Nacht hindurch oder einen ganzen Tag. Natürlich ist das positiv, aber wenn man da in den Emotionen drin ist, dann ist es schlimm und man meint, es wird nie mehr besser. Dann gibt es aber auch gute Tage und Momente, wo ich aus vollem Herzen Lachen kann. Das konnte ich auch jahrelang nicht mehr.

Wenn man den Erfahrungsberichten glaubt, dann werden die Absetzsymptome noch eine Weile anhalten, aber das Schlimmste ist nach etwa zwei Monaten überstanden. Die körperlichen Symptome haben sich bereits etwas gebessert, dank chinesischer Medizin, Akupunktur, einer strikten magen- und darmschonenden Diät und Meditation, die mich beim Schlafen unterstützt. Der Schlaf ist jedoch immer noch das grösste Problem. Deshalb habe ich nächste Woche einen Termin für eine Hypnose. Keine Ahnung, was mich da erwartet, aber ich bin bereit, alles zu versuchen (ausser Chemie), damit es besser wird.

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Existenzängste

In den letzten Monaten hat sich bei mir viel getan. So viel, dass es mir inzwischen Angst macht und dass ich Entscheidungen, die ich getroffen habe, wieder bereue. Ich weiss nicht, ob ich auf dem richtigen Weg bin oder ob ich mir alles einfach nur rosageträumt habe. Jedenfalls habe ich eine Riesenangst vor der Zukunft.

Ich habe meinen Job in der Klinik gekündigt. Aus verschiedenen Gründen. Einerseits, weil mir die Arbeit einfach nicht mehr Spass gemacht hat. Ich habe die meiste Zeit nur Gruppen geleitet. Eine Recovery- und eine Achtsamkeitsgruppe. Anfangs fand ich das toll, aber mit der Zeit war es immer wieder dasselbe. Die Patienten waren nicht wirklich motiviert und vor allem während der Corona-Krise, als die Teilnahme an den Gruppen beschränkt war und sich die Patienten für die Gruppen einschreiben mussten, weil es nur beschränkte Plätze gab, stellte sich heraus, dass die Patienten meine Recovery-Gruppe gar nicht so schätzten. Obwohl ich in der Gruppe sieben Plätze hatte, haben meistens nur drei bis fünf Patienten teilgenommen. Es war nicht nur in meiner Gruppe so, auch andere Gruppen waren „unbeliebt“, aber irgendwie nahm ich das persönlich. Die andere Gruppe, die Achtsamkeitsgruppe, war hingegen fast jede Woche voll besetzt.

Naja, aber der eigentliche Grund meiner Kündigung war, dass ich mich selbstständig machen möchte. Ich möchte gerne Workshops und Vorträge zum Thema Stimmenhören halten, ich habe ausserdem mehrere Onlinekurse für Fachpersonen und Betroffene geplant und habe vor, Bücher zum Thema zu schreiben. Ein Buch mit Interviews mit Fachpersonen, die erfolgreich neue Methoden bei Stimmenhörenden anwenden, habe ich bereits begonnen.

Ich habe auch eine eigene Methode entwickelt, um mit Stimmen umzugehen. Es handelt sich dabei um eine Meditationstechnik, in der Stimmenhörende eine strukturierte Meditation an ihrem inneren sicheren Ort mit einer Stimme durchführen. In dieser Meditation unterhalten sich die Stimmenhörenden mit der Stimme und können auch tiefergehende Fragen stellen wie „weshalb bist du in mein Leben gekommen?“ und „warum sagst du solche Sachen?“. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht und denke, dass dies auch für andere Betroffene hilfreich sein könnte.

Das hört sich jetzt vielleicht alles vielversprechend an, aber hinter dem allen verbergen sich riesige Existenzängste. Natürlich habe ich weiterhin das Geld von der Invalidenversicherung (IV), aber das ist nicht viel und wenn ich nichts dazuverdiene, dann komme ich kaum über die Runden. Ich weiss, man kann auch mit wenig Geld leben und die Grundversorgung ist gedeckt. Aber ich mache mir trotzdem grosse Sorgen. Dazu kommt, dass ich für die Selbstständigkeit auch ein bisschen was investieren muss und damit mein gesamtes Erspartes draufgehen wird.

Ich wünschte, ich würde mir nicht so grosse Sorgen machen.

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Sensibel und emotional

Seit ich das Leponex abgesetzt habe, bin ich extrem… (wie soll ich es nennen?) … sensibel. Wenn ich mit den Hunden spazieren gehe und Toby nicht gehorcht, dann drehe ich fast durch. Nicht, weil ich wütend auf ihn bin, sondern weil ich wütend auf mich bin, weil ich nach ihm rufen und ihm sagen muss, dass er auf mir hören soll. Wenn ich ihn dann „zur Bestrafung“ an die Leine nehme, fühle ich mich schlecht, weil ich „gemein“ zu ihm war.

Oder heute Abend, als ich das Geschirr abwaschen musste. Normalerweise wasche ich einfach das Geschirr ab, kein Thema. Wir haben sowieso eine Spülmaschine, aber Pfannen und so muss man halt trotzdem von Hand abwaschen. Heute habe ich mich aber über meine Mitbewohnerin genervt, obwohl ich gar keinen Grund dazu hatte.

Zum Kontext: Gestern und heute habe die ganze Wohnung geputzt, inklusive Badezimmer und Kühlschrank. Ausserdem gehe ich jeden Morgen mit den Hunden spazieren, weil meine Mitbewohnerin gern ausschläft. Alles kein Problem, ich mache es ja gern. Dazu kommt, dass ich sowohl gestern als auch heute extra für uns lecker gekocht habe. Da ich ja mit dem Magen Probleme hatte, habe ich natürlich darauf geachtet, dass es gesund und magenschonend ist. Jedenfalls hatte ich heute nach dem Putzen ein schwieriges Gespräch mit meiner Spitex (ambulante Psychiatrie-Pflegerin, die einmal pro Woche vorbeikommt) und habe danach gekocht. Nach dem Kochen habe ich meiner Mitbewohnerin gesagt, dass ich mich ein bisschen beruhigen muss, weil ich im Moment so sensibel bin, habe das Geschirr in die Spüle gestellt und habe danach eine halbe Stunde in meinem Zimmer meditiert. Nach dem Meditieren war das Geschirr immer noch in der Spüle. Ich habe gedacht, naja, ich habe jetzt gekocht und geputzt und war mit den Hunden draussen, das kann jetzt wirklich meine Mitbewohnerin machen und hab’s einfach stehenlassen und bin zurück in mein Zimmer. Als ich eine halbe Stunde später wieder in die Küche kam, stand das Geschirr immer noch da und meine Mitbewohnerin spielte im Wohnzimmer mit den Hunden. Da wurde ich dann, zum ersten Mal seit Jahren (!), richtig wütend. Ich habe aber nichts gesagt, sondern das Geschirr abgewaschen, dabei ein bisschen mehr Lärm gemacht als nötig und mich in mein Zimmer verkrümelt, um diesen sinnlosen Blog-Beitrag zu schreiben.

Nervig ist auch, dass mich inzwischen Werbungen im Fernsehen extrem beeinflussen. Wenn ich etwas zum Essen sehe, dann habe ich sofort den Geschmack davon im Mund und da mein Magen noch recht sensibel ist, wird mir schlecht davon, wenn ich Werbung für Tiefkühlpizza schaue. Oder Werbung für Medikamente, da spüre ich dann auch gleich ein Ziehen in den entsprechenden Körperteilen und kann gleich nachempfinden, wie schmerzhaft ein bestimmter Zustand sein muss. Und am Samstagabend habe ich eine Casting-Sendung im Fernsehen geschaut, da haben sich die Eltern des Kindes, das an der Sendung teilnahm, geweint, weil das Kind eine Runde weitergekommen ist. Und wisst ihr was? Ich habe mitgeweint! Weil die Eltern weinten. Echt krass.

Ich kann auch nicht mehr mit meiner Mutter telefonieren, weil sie immer so gemein ist. Ich ertrage das im Moment einfach nicht. Deshalb musste ich kurzerhand den Kontakt abbrechen. Und eine Freundin, die immer jammert, weil es ihr so schlecht geht, mag ich gerade auch nicht anrufen. Ich kann einfach mit so viel Negativität nicht umgehen. Ich muss mich mit positiven Menschen und Dingen umgeben.

Es ist echt seltsam, wenn bestimmte Gefühle wie Wut und Ungeduld, die jahrelang einfach nicht mehr da waren, weil sie von den Medikamenten abgestellt waren, wieder langsam hervorkommen. Das macht mir echt ein bisschen Angst. Was, wenn ich eine ganz wütende, passiv-aggressive Person bin und die Medikamente haben mich eigentlich zu einem besseren, ruhigeren Menschen gemacht? Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, wie ich früher war, aber ich glaube nicht, dass ich ein wütender Mensch war, aber vielleicht bin ich es jetzt?

Es passieren ganz viele Veränderungen, manche sind positiv, andere eher negativ, aber ich muss mit beiden umzugehen lernen. Ich entdecke mich und meine Emotionen neu. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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Medikamente absetzen

Nachdem ich nun über zehn Jahre Medikamente nehme und so gut wie keine Wirkung auf die Stimmen, die Ängste und meine Gemütslage habe, habe ich beschlossen, meine Medikamente abzusetzen, um zu schauen, wie es ohne ist. Ich weiss, vielleicht ist es ohne noch viel schlimmer, mag man denken, aber vielleicht auch nicht?

Naja, ich muss sagen, dass meine Erfahrungen sehr positiv sind. Ich bin nun seit eineinhalb Jahren am Reduzieren und bin nun von täglich 30 Tabletten auf 7 runter. Ich habe schon das Naltrexin, das Modasomil, das Anxut, das Wellbutrin und das Clozapin ganz abgesetzt und das Zeldox, das Topamax, das Paroxetin und das Lamictal reduziert.

Wenn nur die Absetzerscheinungen nicht wären! Vor zwei Wochen habe ich das Leponex (Clozapin) abgesetzt und bin fast gestorben. Mir ist immer noch kotzeübel, ausserdem hatte ich Bauchschmerzen und Durchfall, extreme Muskelschmerzen, so dass ich vor Rückenschmerzen fast nicht mehr gehen konnte, Juckreiz am ganzen Körper, meine Augen sind trocken und brennen. Und natürlich die Schlafstörungen. Ich mache kein Auge mehr zu und bin den ganzen Tag todmüde. Ganz zu schweigen von den psychischen Nebenwirkungen. Ich bin todtraurig und habe Suizidfantasien, kann aber gleichzeitig zum ersten Mal in meinem Leben wieder aus ganzem Herzen Lachen. Ich kann keine brutalen Filme mehr schauen und wenn ich mit meinem Hund Toby schimpfe, dann fühle ich mich danach eine Stunde schlecht. Ich bin extrem sensibel und emotional. Aber wisst ich was?! Ich BIN emotional. Das war ich schon seit Jahren nicht mehr!

Seit ich die Medikament reduziere und absetze geht es psychisch eigentlich tendenziell aufwärts. Ich kann zum ersten Mal wieder richtig denken im Kopf und fühle mich kreativ. Ich hatte auch schon mehrere Businessideen, von denen ich vielleicht die eine oder andere sogar umsetzen werde. Ich kann besser mit den Stimmen umgehen, weil ich im Kopf mehr Kapazitäten habe, um dies zu tun. Ich kann wieder meditieren. Meine Ängste sind viel besser geworden und auch meine Stimmung hat sich, ausserhalb der akuten Absetzerscheinungen, verbessert.

Natürlich habe ich noch einen langen Weg vor mir und vor allem das Absetzen von Antidepressiva kann ja nach mehreren Monaten noch zu Depressionen führen, die jedoch als Absetzerscheinung zu werten ist und nicht als erneutes Auftauchen der Grunderkrankung. Darauf freue ich mich natürlich nicht. Aber vielleicht bleibt mir das auch erspart. Ich nehme prophylaktisch Fischöl hochdosiert. Das hat mir ein Psychiater in der Klinik, in der ich arbeite, empfohlen. Man darf ja hoffen, dass das hilft.

Mein Psychiater E. ist nicht so begeistert von meinen Absetzplänen und weiss auch noch nicht, dass ich vorhabe, alle Medikamente abzusetzen. Bei denen, die ich abgesetzt habe, hat er brav mitgemacht und mir die kleinen Dosen zum Ausschleichen kommentarlos verschrieben, aber bei den Medikamenten, die ich noch am Reduzieren bin, bin ich noch am Pillenteilen und er weiss noch gar nicht, dass ich diese auch absetzen werde. Dafür ist meine Therapeutin Sab. und meine Spitex-Begleiterin begeistert von meinen Fortschritten.