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Stress

Ich bin im Moment total im Stress. Ich komme kaum zur Ruhe. Nächste Woche bin ich Montagmorgen mit P. bei Sab., am Nachmittag und habe ich Lerngruppe der Peer Ausbildung. Von Dienstag bis Donnerstag arbeite ich in L. Und am Freitag habe ich einen Termin bei Sab. in Z. Und irgendwann dazwischen muss ich noch mein Auto von der Garage abholen.

Ich finde keine Zeit mehr für mich. Keine Ruhe. Totale Überforderung. Am liebsten würde ich den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Ich kann nicht mehr“. Aber dann riskiere ich meine Karriere. Trotzdem: Ich kann nicht einfach so „funktionieren“. Wenn es gut gehen soll, dann brauche ich genug Zeit, um mich zu regenerieren.

Ich muss mich um die peanut gallery kümmern, damit sie mich nicht überfällt und lahmlegt. Am liebsten würde ich mich ausruhen, mir Zeit lassen, ohne Druck und Stress. Ich will ja arbeiten. Ich will die Ausbildung machen. Ich will etwas erreichen. Aber ich weiss nicht, ob ich mich nicht überfordere, wenn ich mit diesem Pensum weitermache.

Morgen habe ich das Gespräch mit P. und Sab. Vielleicht kann ich das ja da ansprechen.

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Praktikum in L.

Seit Anfang Oktober arbeite in der psychiatrischen Klinik in L. als Peer Praktikantin. Im Gegensatz zur Klinik in M. habe ich Schwierigkeiten, mich einzubringen. Auf der Station gibt es keine Morgenrunde, wo ich sagen kann, dass ich heute da bin, um 10 Uhr einen Spaziergang anbiete und nachmittags für Einzelgespräche zur Verfügung stehe. Es gibt keinen Weg, um die Patienten zu informieren, dass ich da bin. Zudem haben die meisten Patienten morgens Therapien oder schlafen (sie dürfen schlafen so lange sie wollen, es gibt ja keine Morgenrunde, für die sie aufstehen müssen), so dass es schwierig ist für mich, an die Patienten heranzukommen.

In den ersten zwei Tagen sass ich den ganzen Tag einfach im Wohnzimmer auf dem Sofa. Dazu muss ich noch sagen, dass ich nicht auf den Raucherbalkon darf, wo die meisten Patienten sind. Obwohl sich hie und da ein Patient ins Wohnzimmer verirrte, sass ich die meiste Zeit allein da. Zum Glück habe ich am zweiten Tag daran gedacht, ein Buch mitzunehmen. Und in der zweiten Woche habe ich angefangen, an meinem Portfolio für die Peer Ausbildung zu schreiben.

Ausserdem habe ich in L. keinerlei Zugang zu den Patientenakten, Fallgesprächen, Rapporte und Visiten. Ich weiss also gar nichts über die Patienten. In M. hat mich das Team darauf aufmerksam gemacht, auf wen ich zugehen soll und wer ein Gespräch brauchen könnte. In L. ist jeder Patient ein „Überraschungspaket“. Das ist nicht schlimm, aber es zeigt, dass ich nicht als Teil des Teams betrachtet werden. Dazu kommt noch, dass ich keine Gruppen leiten darf wie ich es in M. durfte.

Diese Woche hat sich jedoch etwas getan. Ich habe mit der stellvertretenden Stationsleiterin gesprochen und sie hat mir dann Blätter ausgedruckt und laminiert. Auf einem Blatt steht zum Beispiel „Spaziergang“, da kann ich dann einfach noch die Uhrzeit eintragen. Auf einem anderen Blatt kann ich die freien Zeiten für Einzelgespräche aufschreiben, so dass sich die Patienten eintragen können. Diese Zettel darf ich dann beim Stationszimmer aufhängen, so dass es alle Patienten sehen.

Damit hat sich die Situation gebessert. Die Patienten kommen auf mich zu, gehen mit mir Spazieren, melden sich für Einzelgespräche und wenn ich doch einmal freie Zeit habe und auf dem Sofa sitze, geht es nicht lange und ein Patient setzt sich zu mir, um mit mir zu reden. Inzwischen gefällt es mir in L., aber dennoch vermisse ich die Station in M. Was mich freut, ist, dass mir M. zugesagt hat, dass ich jederzeit wieder da arbeiten darf, wenn ich möchte. Nach dem Praktikum im L. werde ich also wahrscheinlich wieder nach M. gehen, um dort zu arbeiten.

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P.

Ich habe soeben von einer halbwegs vertrauenswürdigen Quelle erfahren, dass P. wahrscheinlich den Bauernhof verlassen wird, um sich anderwertig zu orientieren. Ich weiss nicht, wie ich ohne P. weitermachen soll. Ich brauche ihn. Er ist der einzige, neben Sab. und E., dem ich vertraue, der weiss, was in mir drin los ist. Dem ich erzählen kann, was die peanut gallery mit mir anstellt, der weiss, was ich brauche, wenn ich nicht mehr weiterkomme. Ich kann ihm erzählen, wie es mir geht, ich vertraue ihm.

Dank P. konnte ich nach Sardinien reisen, er führte mich durch das Chaos im Flughafen und brachte mich sicher ins Flugzeug. Er gab sein Bestes, um mir die Angst zu nehmen, und natürlich verfütterte er mir auch meine Notfall-Medikamente. Er war dabei, als ich tauchen war und sich für mich gefreut, es war so schön!

Ich bin P. unendlich dankbar für die Arbeit, die er mit mir macht. Ich habe Angst, dass ich ohne ihn in ein grosses Loch fallen werde, weil mir der Rückhalt fehlt. Ich kann mir nicht vorstellen zu einem anderen Mitarbeiter ein solches Vertrauen aufzubauen.

Mit P. habe ich in den letzten drei Jahren viel erreicht. Ich bin vom kranken Mädchen, das sich nicht aus dem Zimmer traute und nur in der Hängematte lag und den Stimmen ausgeliefert war, zu einer Frau geworden, die inzwischen im Alltag einigermassen funktioniert. Ich habe immer noch Aussetzer. Manchmal geht es einfach nicht. Und ich verwandle mich wieder in das kranke Mädchen.

Doch mit P. ist es mir zum ersten Mal gelungen, überhaupt zu einer Frau zu werden. Einen Beitrag zur Gesellschaft (jedenfalls zum Hofleben) zu leisten. Das war mit viel Arbeit verbunden. Immer zwei Schritte vor und einer zurück. Aber es ging vorwärts. Schritt für Schritt, wie der Phönix aus der Asche.

Es gibt noch viel zu tun. Vieles, das ich hoffte, ich könnte es mit P. angehen. Aber jetzt muss ich wohl erstmal abwarten und schauen, wie es auf dem Hof personalmässig aussieht.

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Sardinien!

Ich war in Sardinien! Ich habe es geschafft! Es war toll. Ich war am Meer, ich ging tauchen. Ich konnte unter Wasser die absolute Ruhe ohne Stimmen geniessen. Ich konnte mich erholen. Es war traumhaft!

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Ich hab’s geschafft!

Ich will nur kurz ein Update machen. Ich bin tatsächlich in Sardinien angekommen. Unterwegs war ich konstant total angespannt und P. musste musste mich quasi durch den Flughafen schleppen. Mehrmals habe ich mich einfach auf den Boden gesetzt, weil ich nicht mehr konnte. Mit viel Xanax und Nasenspray habe ich es aber irgendwie geschafft. 

Das Erste, was ich gestern gemacht habe, war ans Meer zu gehen und ins Wasser zu fassen. Dabei konnte ich einige schöne Gefühle und Erinnerungen hervorholen. Leider gönnen mir die Stimmen den Urlaub überhaupt nicht. Sie schreien und toben und wollen mir den Spass verderben. Ich denke, das sind noch Nachwehen von der anstrengenden Reise von gestern.

Ich werde die Ferien auf jeden Fall geniessen. Ich will tauchen. Ich will im Meer schwimmen. Ich will wandern gehen. Egal was die Stimmen sagen.

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Sardinien

Heute Nacht geht’s los nach Sardinien. Ich sterbe fast vor Angst. Schon nur der Gedanke an den Flug und die Reise im Bus versetzt mich in pure Panik. Aber ich darf 4 mg Xanax nehmen und habe den Nasenspray dabei. Hoffentlich bin ich damit so sediert, dass ich von der Reise gar nichts mitkriege.

 

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Midazolam Nasenspray

Ich habe heute den Midazolam (Dormicum) Nasenspray von der Apotheke gekriegt und gleich ausprobiert. Fazit: Es wirkt. Nach etwa fünf Minuten fühlte ich mich wie von Watte umgeben und nahm meine Umwelt nur noch distanziert war. Angenehm.

Der Nasenspray ist für den Flug nach Sardinien am Sonntag. Damit ich mich beruhigen kann, bevor ich Panik kriege. Für den Notfall. Zusätzlich werde ich ja noch 4-6 mg Xanax nehmen. Damit sollte ich gut abgesichert sein.

Der Flug macht immer noch Angst. Aber ich bin jetzt etwas zuversichtlicher.