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Es hat mich erwischt

Triggerwarnung: In diesem Text geht es um Suizid.

Eigentlich hatte ich gestern einen ganz normalen Psychiatertermin bei E. Das Problem war, ich hatte eine 90-er Packung Modasomil und drei Packungen Codein-Tropfen dabei, die ich mir auf dem Rückweg zu Gemüte führen wollte. Ziel war es, die Medis zu nehmen und einen Auto-Unfall zu provozieren. Die Sanitäter würden sich dann auf die Verletzungen des Unfalls konzentrieren und nichts von den Überdosierungen merken. Das war der Plan. Ich wollte einfach nicht mehr leben. So wie das Leben im Moment ist, so ist es nicht mehr auszuhalten.

E. hat jedoch gespürt, dass etwas nicht stimmt. Ich habe ihm vor einigen Wochen versprochen, ehrlich zu sein. Ich habe nicht von den Tabletten erzählt, aber ich habe ihm gesagt, dass ich suizidal bin. Das hat ihm gereicht, um mich einzuweisen. Zuerst hatte ich Angst, dass ich in die Akutklinik gehen müsste, aber er hat mich auf die Rehaklinik in R. eingewiesen, in der E. und Sab. arbeiten. Dafür bin ich dankbar.

Jetzt bin ich also in der Klinik. Und überhaupt nicht glücklich darüber. Klar, ich bin hier sicher und der Druck, mir etwas anzutun, ist hier weniger stark. Aber der Lärm im Kopf ist immer noch da. Und die Polizisten, die mich verfolgen, die sehe ich auch noch in jeder Ecke. Gestern waren sie sogar auf Station. Zum Glück haben sie mich nicht abgeholt.

Ich bin mir bewusst, dass dieser Zustand mit dem Absetzen des Leponex zusammenhängt. Aber diesmal habe ich nicht alleine abgesetzt, sondern mit der Unterstützung von E. Trotzdem ist es schief gegangen. E. will jetzt erst mal das Zeldox erhöhen, da ich vom Leponex ja lieber wegkommen möchte. Ich hatte schon mal mehr Zeldox. Das hat nichts gebracht, aber vielleicht ist es diesmal anders, mal sehen.

Ich will einfach, dass dieser Zustand aufhört. Ich habe so einen riesigen Druck, mich umbringen zu wollen, dass ich es kaum aushalte. Ich will so einfach nicht weiterleben.

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Krise

Seit ein paar Wochen geht es mir gar nicht gut. Vor drei Wochen war ich bei E. Er hat darauf bestanden, dass ich das Leponex (Clozapin), das ich beinahe schon ganz abgesetzt hatte (ich war bei 25 mg), wieder auf 75 mg aufdosiere. Ich war nicht glücklich darüber, weil ich so froh war, dass ich es endlich absetzen konnte. Leider passierte bei 25 mg dasselbe, wie schon vor zwei Jahren: Ich entwickelte eine Art dissoziativen Zustand, in dem ich mich selber nicht mehr spürte und die Welt nur noch schemenhaft wahrnahm. Genau diese Symptome hatte ich schon, als ich vor zwei Jahren das Leponex reduziert hatte.

Ich weiss jetzt nicht, ob dieser Zustand ein Absetzsymptom war oder ein Zeichen einer erneuten Psychose. Leider konnte ich dies nicht herausfinden, weil ich schnell wieder auf die Beine kommen musste, denn letzte Woche hatte ich meine Abschlussprüfung für die Peer-Ausbildung. Ich musste einen Vortrag halten und dafür musste ich fit sein. Jetzt nehme ich wieder 75 mg Leponex… Ich werde jedoch in 1-2 Monaten nochmals einen Absetzversuch starten.

Ansonsten geht es mir nicht gut. Ich habe immer noch Nachwirkungen von dem dissoziativen Zustand. Ich fühle mich leer, verloren. Ich verbringe die Tage in meinem Zimmer, weil ich es einfach nicht schaffe rauszugehen, ausser mit den Hunden. Mit den Hunden muss ich raus, sie brauchen die Bewegung und die Spaziergänge mit ihnen tun mir gut.

Sozial habe ich mich sehr zurückgezogen. Ich spreche nur noch mit meiner Mitbewohnerin M. Mit den anderen weiss ich einfach nicht, worüber ich sprechen soll. Ich fühle mich blockiert, leer, sprachlos. Zudem nehme ich die negativen Gedanken der anderen mir gegenüber wahr.

Heute hatte ich noch ein kurzes Gespräch mit einem neuen Betreuer auf dem Bauernhof. Er ist sehr nett. Er meinte, ich nehme zu viele Medikamente. Das stimmt. Ich war über ein Jahr in der Klinik und E. hat alle möglichen Medikamente ausprobiert bis wir die jetzige Kombination gefunden haben, die einigermassen funktioniert. Klar, warum soll ich zwei Neuroleptika nehmen, wenn ich trotzdem Stimmen höre? Und warum brauche ich ein Medikament gegen Narkolepsie, wenn ich morgens trotzdem müde bin? Und das Ebixa? Hilft das wirklich gegen die Konzentrations- und Gedächtnisstörungen?

Ich möchte meine Medikation auch verändern, aber das kann ich nicht von einem Tag auf den anderen. Das Reduzieren von Leponex hat mir gezeigt, dass es nicht so einfach ist, von einem Medikament wegzukommen. Ich habe schon einige Male auf eigene Faust probiert, Medikamente abzusetzen, aber das hat nie funktioniert. Deshalb brauche ich die Hilfe von E.

Mit Sab. sind wir dabei, mit den Stimmen zu arbeiten. Zur Zeit versuchen wir vor allem Anil und Chanita zu beruhigen und in andere Bahnen zu lenken. Ziel ist es, dass Anil, Chanita und ich zu einem starken Dreier-Team werden. Aber das ist nicht so einfach. Sab. spricht regelmässig direkt mit den Stimmen und dabei kommen immer wieder interessante Tatsachen zu Tage. Zum Beispiel, dass Anil es gut meint und mir eigentlich helfen will. Und dass Chanita meine Freundin sein möchte. Leider ist die Art wie sich die beiden ausdrücken alles andere als hilfreich.

Auch das Trauma ist immer wieder Thema in der Therapie. Sobald Sab. das Trauma anspricht, verstumme ich jedoch. Ich kann einfach nicht darüber reden, die Worte kommen nicht über meine Lippen, auch wenn ich es möchte. Ich habe keine Ahnung warum. Dabei möchte ich so gern, dass wir daran arbeiten können, damit ich weniger Flashbacks und Albträume habe.

Ach ja, und bevor ich’s vergesse: Ich habe die Festanstellung als Peer in der Klinik in M. gekriegt! Ich freu mich riesig darüber! Die Arbeit macht mir echt Spass und ich habe das Gefühl, dass ich endlich eine Aufgabe gefunden habe, die mich glücklich macht und mich erfüllt.

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Therapie, Stimmen, T. und so

Das Drama mit T. geht weiter. Ende letzte Woche hat sie mich angeschrien, weil mein Hund auf das Sofa gesprungen ist. Sie hat gesagt, ich würde mich nicht an ihre Regeln halten und ich würde sie systematisch sabotieren. Ich habe ihr nun gesagt, dass ich nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten will. Wenn ich keine andere Bezugsperson kriegen kann, dann verzichte ich halt auf die Bezugspersonengespräche. Ich lasse mich nicht anschreien.

Vor zwei Wochen war ich an einem Workshop zum Thema Stimmenhören. Das war echt richtig spannend. Wir haben gelernt, dass Stimmen eigentlich immer aus einem Trauma heraus entstehen und dass Medikamente fast nie wirken. Das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Ich habe einen längeren Blogbeitrag zu diesem Thema geplant, ich hoffe, ich kriege ihn noch diese Woche fertig.

Letzte Woche in der Therapie hat Sab. wieder mit Anil gesprochen. Sie haben direkt kommuniziert, mit mir als Sprachrohr. Sab. hat mit Anil verabredet, dass sie mich, wie der Handballcoach damals in meiner Jugend, motivieren soll. Wir haben zwei Situationen ausgemacht, in denen Anil mich anfeuern und loben soll. Einmal beim Joggen und dann bei den Einzelgesprächen in der Klinik. Bisher hat es nicht geklappt, Anil kritisiert mich weiterhin und lässt kein gutes Haar an mir. Aber ich habe ja noch eine Woche.

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Krise?

Der Konflikt mit T. setzt mir zu. Mehr als ich zugebe. Immer wieder breche ich in Tränen aus. Und für die Stimmen ist das ein gefundenes Fressen.

Lou gibt T. recht. Ich bin ein schlechter Mensch. Ich kann nicht mit Menschen umgehen. Ich bin überfordert mit Toby und schaffe es nicht, mich um ihn zu kümmern. Ich bin ein Nichts. Ich bin wertlos. Ich bin nicht einmal den Sauerstoff wert, den ich einatme. Es wäre am besten für alle, wenn ich tot wäre.

Anil findet auch, ich soll mich umbringen. Die Kritik der anderen ist vollkommen gerechtfertigt, ich soll und darf mich nicht wehren. Ich bin viel zu schwach. So schwache Menschen dürfen nicht existieren.

Ich bin traurig, suizidal und hoffnungslos.

Ich überlege, ob ich für ein paar Tage ins KIZ gehen soll. Nur, um ein bisschen Abstand zu haben und die Energie für die Stimmen aufzuwenden, statt mich mit T. zu streiten. Ich bin nicht die starke Person, die sich für sich selbst einsetzt.

Andererseits sollte ich am Mittwoch arbeiten und am Donnerstag wollte ich eigentlich zu einer Tagung gehen zum Thema Stimmenhören. Das will ich mir eigentlich nicht versauen lassen.

Ich werde jetzt erstmal eine Nacht darüber schlafen und dann weiterschauen.

 

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Ringen mit T. – Runde 3

Das Ringen mit T. geht in die dritte Runde. Sie hat mir heute eine Email geschrieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte. T.’s Text ist intendiert, meine Antwort an sie in normaler Schrift.

Liebe T.,

Herzlichen Dank für dein ausführliches Feedback. Ich möchte kurz dazu Stellung nehmen.

gerne möchte ich Dir eine kurze Rückmeldung über unser letztes Gespräch geben.

Ich empfand Deine Beleidigungen als unangenehm und denke ich habe nicht über- sondern eher unterreagiert.

Im Normalfall würde ich bei solchen Ausdrucksformen dem Gegenüber eine Grenze setzen. Ich empfand es aber bei Dir, aus Deiner Situation heraus, eher als gut.

Der therapeutische Prozess löst einiges in Dir aus und Dich auf diese Art auszudrücken kann ein Fortschritt sein, wenn es nicht als Dauerzustand bleibt.

Ich erlebe Du nimmst mehr an Aktivitäten teil und bist präsenter, das schätzen wir sehr. Doch mischt Du Dich auch mehr in Dinge die Dich nichts angehen.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals wiederholen, was ich gesagt habe, damit keine Missverständnisse aufkommen:

Ich habe gesagt, dass die Chemie zwischen uns nicht stimmt. Da kannst weder du noch ich etwas dafür. Das gibt es einfach zwischen zwei Menschen. Man kann nicht mit allen Leuten gut auskommen und man kann das Vertrauen einer Person nicht erzwingen.

Ich habe auch gesagt, dass ich dir dankbar bin für alles, was du für mich getan hast (dass du dich dafür eingesetzt hast, dass ich einen Hund haben darf, dass du meine Abschlussarbeit für die Peer-Ausbildung korrigiert hast, dass du dir Zeit genommen hast, einen angepassten Arbeitsvertrag für mich aufzusetzen, dass du mit mir zusammen eine Zielvereinbarung definiert hast und dass du dich mit dem Thema Stimmenhören auseinandergesetzt hast). Ich denke aber, das gehört zu deinem Job, ausser vielleicht das korrigieren der Arbeit. Und ich habe dich nicht gebeten, all das für mich zu tun. Ich finde das unfair, dass du mir das vorhältst.

Ausserdem habe ich gesagt, dass ich es unprofessionell finde, wie du über N. gesprochen hast. Du hast mir erzählt, dass sie mit ihren Bezugspersonen überfordert ist. Du hast mir viele Details genannt, die ich an dieser Stele nicht wiederholen werde. Ich habe selber in einer leitenden Position in einer Firma gearbeitet und ich hätte nie schlecht über einen Mitarbeiter gesprochen. Als Chefin muss man hinter seinen Mitarbeitern stehen. Ich weiss, du hast gesagt, das gehört zu der Unternehmenskultur und du bist einfach nur „transparent“. Ich finde das trotzdem N. gegenüber unfair.

Ich hatte ein ausgesprochen konstruktives Gespräch mit Sab.

Sie meinte es sei wichtig, dass Du selber nach einer Lösung suchst, bzw. eine geeignete Person, welche Dir die von Dir gewünschte Begleitung geben kann, selber suchst.

Wie ich sehe bist Du bereits sehr aktiv geworden. Ich werde Dir weiterhin als Bezugsperson zur Seite stehen, deinen Wunsch die BP zu wechseln jedoch in der Teamsitzung mit den Mitarbeitenden anschauen.

Herzlichen Dank dafür.

Gerne möchte ich zwei weitere Anliegen an Dich tragen.

Einerseits machen wir uns Sorgen um Deinen Hund. Es mangelt an Erziehung und er scheint ausgesprochen dünn zu sein. Bewohner/innen und Mitarbeitende haben Angst in Eure WG zu kommen, da der Hund bellend auf jeden losgeht! Auch haben Mitarbeitende erlebt, dass Du ihn von der Gabel und aus dem Teller fütterst und ich selber sehe ihn regelmässig auf dem Sofa!

Er ist ein Junghund, der in den letzten Monaten sehr gewachsen ist. Da ist es normal, dass er dünn ist. Er erhält genug Futter, mach dir deshalb keine Sorgen. Dass er bellt und das den Leuten Angst macht, verstehe ich. Ich versuche auch, ihm das abzugewöhnen. Aber er geht auf niemanden los. Ausserdem hat A.’s Hund auch immer gebellt und da hat niemand etwas gesagt.

Das mit dem Sofa und dem Füttern vom Teller und der Gabel habe ich verstanden. Darauf werde ich von jetzt an achten.

Im Moment sehen wir vor allem M. sich mit seiner Erziehung beschäftigen und auch in die Hundekurse gehen. Es ist jedoch nicht ihre Aufgabe, auch wenn sie dies gerne macht.

Das ist eine fiese Unterstellung und stimmt überhaupt nicht. Ich erziehe den Hund und nicht M. M. unterstützt mich, da sie viel Erfahrung hat, aber erziehen tu ich ihn. In der Hundeschule war auch immer ich. M. ist mitgekommen, weil sie sich dafür interessiert, in einer Hundeschule zu arbeiten. Aber alle Übungen und Aufgaben habe ich mit Toby gemacht.

Ich finde es auch unfair, dass du mit L. darüber sprichst, statt direkt zu mir zu kommen.

Als weiters haben wir verschiedene Bewohner welche zu uns kommen mit dem Anliegen, dass Du sie respektlos ansprichst.

Kannst du mir sagen wer? Ich spreche niemanden respektlos an. Du solltest mich eigentlich genug gut kennen, dass ich das nicht mache.

Ein konkretes Beispiel ist S.; Du sagst zu ihr regelmässig `Einhorn`, was sie verletzt. Andere Bewohner haben diesen Ausdruck bereits kopiert und foppen sie damit auch. S. hat Dir bereits persönlich mitgeteilt, dass sie das nicht mag. Ich möchte einen solchen Umgang auf dem Hof nicht und bitte Dich diese verbalen Attacken bleiben zu lassen.

Ich habe S. einmal gefragt, ob sie Einhörner mag und mir den Spass erlaubt, ihr zu sagen, sie könne doch einen Antrag schreiben für ein Einhorn. Ich habe sie weder Einhorn genannt noch kann ich mir vorstellen, dass andere Bewohner sie Einhorn nennen. Wir wissen beide, dass S. manchmal die Wahrheit verdreht.

Auch hier hätte ich eigentlich von B. erwartet, dass sie damit zu mir kommt und mit mir darüber spricht, statt dass du in einem Email alle Vorwürfe aufs Mal bei mir ablädst.

Wir alle können verstehen, dass Du in einer neuen und sehr herausfordernden Situation in Deinem Leben bist.

Das ist keine Entschuldigung und ich verstecke mich auch nicht dahinter.

Wir werden die Hundethematik ebenso an der Teamsitzung besprechen und Dir eine Rückmeldung geben.

Ich wünsche mir, dass ihr „fair“ seid und meine Antworten, die ich dir in diesem Email gegeben habe, mit einbezieht.

Bis dahin wäre ich froh, wenn Du Dir selber Gedanken darüber machstund mir eine Rückmeldung geben kannst.

Die Rückmeldung habe ich dir in diesem Email gegeben.

Ich werde für ein Gespräch morgen um 15.00 Uhr zu Dir kommen.

Ich fühle mich von deinen Vorwürfen sehr verletzt und weiss nicht, ob ich morgen für ein Gespräch zur Verfügung stehen werde.

Liebe Grüsse
Ut

 

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Ringen mit T. – Runde 2

Gestern hatte ich ein Gespräch mit T. Wir haben die Email besprochen, die ich ihr geschrieben habe. Sie hat mir erzählt, wieviel Zeit sie in mich investiert hat. Sie habe meine Abschlussarbeit für de Peer-Weiterbildung korrigiert, sie habe sich Zeit genommen, eine Zielvereinbarung mit mir zu erstellen, sie habe sich über das Thema Stimmenhören informiert, sie habe sich dafür eingesetzt, dass ich einen Hund bekomme. Sie habe so viel für mich getan.

Als ich dann angesprochen habe, dass ich gern mit N. zusammenarbeiten möchte, hat sie mir berichtet, dass N. schon mit ihren derzeitigen Betreuungspersonen überlastet ist. Sie habe keine Zeit für Ke., sei mit Ka. völlig überfordert, schaffe es nicht, sich um R. zu kümmern und müsse zusätzlich noch ein Konzept für irgendwas schreiben, dass sie bisher auch noch habe liegen lassen. Zu allem dazu kommt noch, dass sie dabei sei, ihr Sozialpädagogik-Studium abzuschliessen und deshalb überhaupt keine Zeit habe, mich zu übernehmen.

Da blieb mir erstmal die Luft weg. Ich hätte schon da reagieren müssen, aber irgendwie wusste ich nicht, was ich sagen sollte.

Wir beendeten das gestrige Gespräch damit, dass ich mir Gedanken darüber machen sollte, wie ich mir eine weitere Zusammenarbeit mit T. vorstelle und vereinbarten ein Gespräch für heute.

Heute war ich dann um einiges schlagfertiger.

Ich sagte, dass ich es nicht fair finde, wenn sie mir vorhält, was sie alles für mich getan habe. Natürlich sei ich dankbar, aber wenn es sie so belastet habe, hätte sie auch sagen können, dass es ihr zu viel ist. Ansonsten gehören diese Aufgaben jedoch auch zu ihrem Job (Ausser vielleicht die Arbeit korrigieren. Aber die Arbeit ist sechs Seiten lang und sie hat kaum Anmerkungen dazu gemacht, sondern einfach gesagt, sie sei gut so wie sie ist.). Ich habe gesagt, das fühle sich ein bisschen so an wie „Erpressung“. Das war vielleicht ein bisschen hart.

Was N. betrifft, so habe ich ihr gesagt, dass ich es unprofessionell finde, dass sie mir im Detail erzählt, was N. für Defizite hat. Das geht mich gar nichts an. Als Chefin sollte sie hinter ihren Angestellten stehen und nicht herumerzählen, dass N. mit ihrer Arbeit total überfordert ist.

Ich habe ihr auch gesagt, dass ich sie als Mensch und als Chefin weiterhin schätze und respektiere und dass sich meine Kritik nur auf ihre Aussagen bezieht und ich nicht ihre Person angreife. Es gehe mir nur darum, dass ich nicht mehr mit ihr als Bezugsperson zusammenarbeiten wolle, weil ich einfach das Gefühl habe, die Chemie stimmt nicht zwischen uns beiden.

Und dann war sie beleidigt. Und wie. Sie fühle sich von mir abgewiesen und zurückgestossen. Dabei habe sie sich so viel Mühe gegeben. Und sie rede überhaupt nicht schlecht über ihre Mitarbeiter, sondern sei einfach „transparent“, weil das zur Unternehmenskultur dazugehört.

Sie sagte dann, dass es eindeutig aussieht, wie wenn wir nicht mehr zusammen arbeiten könnten. So wolle sie auch nicht mehr mit mir arbeiten, wenn ich ihr solche Vorwürfe mache. Sie werde das Thema in der nächsten Teamsitzung besprechen.

So wie’s aussieht, bekomme ich also trotz allem eine neue Bezugsperson 🙂 . Ich hoffe nur, es wird N. sein…

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Chaos

In mir herrscht Chaos. Lou schreit. Chanita hat Panik. Anil spannt mit Lou zusammen. Ich habe wieder vermehrt Flashbacks und Albträume. Wache schweissgebadet auf.

Ich versuche, ruhig zu bleiben. Zu atmen.

Aber es klappt nicht.

Zum Glück habe ich Toby. Er gibt mir Halt. Mit ihm kann ich spazieren gehen. Ihn streicheln. Schmusen. Er holt mich zurück ins Hier und Jetzt.

Die Zeit verbringe ich in meinem Zimmer. Ich verkrieche mich. Kann nach aussen nicht mehr funktionieren.

T. habe ich gestern eine Email geschrieben. Sie hat geantwortet, dass sie enttäuscht ist. Dass ich aber meine Bezugsperson nicht einfach selber aussuchen kann.

Sab. ist diese Woche im Urlaub. Also muss ich es alleine schaffen.

Irgendwie geht es immer weiter.